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Montag, 5. August 2013

Da Hong Pao Super Grade

Sommerzeit ist für mich komischer Weise Grünteezeit. Ob das nun an der erfrischenden Wirkung des Grüntees legen mag, kann ich für mich selbst eigentlich schwer beantworten. Ein leichter Shincha oder Mao Feng ist eindeutig bekömmlicher als ein alter Pu Erh, oder ein über Jahrzente gelagerter Oolong.. Zumindest wenn sich die Temperaturen um die 30 Grad tummeln. Jedoch liegt es bei mir eher daran, dass ich im Sommer immer auf Trap bin. Entweder liegt man am See, trifft sich mit Freunden, enstapnnt im Garten, macht einen Ausflug oder ist einfach unterwegs. So habe ich kaum die Möglichkeit, mich einem Tee zu widmen, der meine volle Aufmerksamkeit erfordert - sei es bei der Zubereitung, oder auch einfach nur beim Genuss. Gestern hatte ich, dank wechselhaftem Wetter die Chance mich einem Oolong zu widem, der nun schon seit mehreren Wochen bei mir zuhause liegt und mich ständig förmlich auffordert: "Trink' mich!"

Da ich immernoch rund um's Thema Felsentees Recherche betreibe, ist meine erste Bezugsquelle Herr Thamm, der Besitzer vom ChaDao Onlineshop, der mir schon einiges dazu beisteuern konnte. Da er jedoch zur Zeit wegen der Neueröffnung seines eigenen Teeladens in Neu Isenburg unter Umzugsstress steht, vertröstete er mich mit einigen Proben aus seinem Felsenteesortiment. Darunter befand sich auch besagter Tee. Ein da Hong Pao der höchsten Qualitätsstufe.

 

Das trockene Blatt sieht sehr vielversprechend aus: relativ dick gedreht, durch die Röstung und starke Fermentation braun bis fast schwarz, mit einem anregenden Holzkohleduft und süßlich-fruchtigen Anklängen.
Das feuchte Blatt nach dem Waschen bringt Neugierde mit sich. Sehr, sehr intensiv. Tolles Holzkohle Aroma, Waldbeeren (?) und einem schönen Wechsel von süß zu sauer. Letzeres erinnert mich doch stark an einen bereits verköstigten Song Zhong Dan Cong.



Bereits vom ersten Aufguss an kommt wahre Begeisterung auf. Mein erster Eindruck ist einfach nur: Wow, vollmundig und komplex! Gaumenschmeichelnde Süße und zwar eindeutig Karamell! Hinzu kommen mehrere, auf meiner Zunge tanzende, für mich noch nicht klar erkennbare Fruchtnoten - Heimatobst? Unterstrichen wird das ganze von einer feinen, aber doch sehr präsenten Röstnote, welche sich im Vergleich zu anderen gerösteten Tees jedoch nicht so sehr vordergründlich zeigt, sondern das Gesamtbild perfekt abrundet. Diese Eindrücke passen perfekt zu der bernsteinfarbenen Tassenfarbe.

Der zweite Aufguss kommt nun noch vollmundiger, fühlt sich fast schon zähflüssig im Mund an. Die Süße benetzt mein Zahnfleisch und meine Zähne. Die nassen Blätter geben nun auch einen angenehmen floralen Duft von sich.
 Im dritten Aufguss bin ich mir nun auch mit meiner Vermutung von Heimatobst ziemlich sicher, denn ich schmecke reife Zwetschgen. Im Nachklang ist nun neben der intensiven Süße auch die angenehme Säure von unreifen Trauben und Nektarinen präsent.


Der nächste Aufguss zeigt nun deutlich, wie komplex ein guter Oolong sein kann. Nun sind neben Obst und Karamell eindeutig florale Anklänge zu schmecken. Für mich jedoch keine typischen, wie man sie von leicht fermentierten Tees kennt.. Nein, auch nicht wie bei anderen Felsentees wie beispielesweise dem Lao Cong Shui Xian. Diesmal mit Tendenz zu Veilchen, viel süßer.
 Beim weiteren Aufgießen verliert der Tee lediglich an Röstgeschmack. Dafür drängt sich diese angenehme Säure vom Nachgeschmack immer weiter in den Vordergrund, jedoch ohne die Süße zu überdecken oder gar zu verdrängen. Dieser da Hong Pao bleibt selbst nach zehn Aufgüssen weiterhin vollmundig, komplex und spannend, verliert dabei auch kaum an Intensität.

großes, teils zerissene Blätter - kleine, perfekt erhaltene

Fazit: Genau so stelle ich mir einen wirklich guten Oolong vor. Man braucht Zeit, viel Zeit und er verlangt einem seine volle Aufmerksamkeit ab. Im Gegenzug wird man mit einer tollen Komplexität und einem wahren Feuerwerk an verschiedenen Aromen belohnt. Bei den letzten beiden Aufgüsse wollte ich noch mal alles aus dem Tee heraus holen und ihn am späten nachmittag kalt genießen. Auch nach dem Abkühlen und nach längerem Ziehen zeigt dieser Da Hong Pao seinen Oolong Charakter, da er in keinster Weise zu Bitternes tendiert und bietet sowohl warm, als auch kalt Entspannung und Erfrischung. An dieser Stelle möchte ich mich erneut bei Herr Thamm für einen faszinierenden Tee bedanken!

Montag, 6. Mai 2013

Wilder Tee & Alte Narzisse

Sonntags nehme ich mir immer Zeit für einen, oder wie es gestern der Fall war zwei besondere Tees.
Nachdem mir vergangene Woche mein Ausschankkännchen zerbrochen war, wollte ich ein möglichst ähnliches wieder. Jedoch gestaltete sich die Suche danach zunächst ziemlich schwer, da es in dem Shop, von dem ich es habe ausverkauft ist. Nach eine gefühlten Ewigkeit erinnerte ich mich daran, dass ChaDao Glaspitcher im Sortiment hat und wurde dort auch fündig. Neben dem Kännchen landeten noch zwei Proben verschiedener Felsentees aus dem Wuyi Gebirge in meinem Warenkorb.

Bei beiden handelt es sich um Da Hong Paos, stark fermentierte und geröstete Oolong Tees. Nummer eins nennt sich Lǎo Cóng Shuí Xiān - alte Narzisse - und der Zweite Yé Chá - wilder Tee. Aus Interesse an den Unterschieden der beiden Tees habe ich den Shopbetreiber Herr Thamm, welcher sich gerade auf Chinareise befindet, kontaktiert und eine ausführliche Antwort zu meinen Fragen mit passenden Fotos bekommen. Herr Thammbefindet sich zur Zeit in Hangzhou und wird zu einem späteren Zeitpunkt nach Wuyishan reisen. Dort wird er die Famile, die den Tee produziert noch genauer zu den unterschieden in Anbau und Verarbeitung befragen und mir sogar Fotos der entsprechenden Teesträucher zukommen lassen. Das schreit förmlich nach einem Eintrag zu den Felsentees im Allgemeinen, ich bin schon sehr gespannt!

Die Bezeichnung Ye Cha hat mich natürlich besonders neugierig gemacht. So habe ich auf meine Frage, ob es sich denn um echten wilden Tee handle folgende Antwort bekommen:

"Die "wildwachsenden" Teesträucher/-bäume sind keine wirklich wilden Bäume, die über hunderte von Jahren wild wachsen - wie etwa im Süden Yunnan (Xishuangbanna), wo die wilden Pu'erhs herstammen. Aber sie sind gewissermaßen schon wild, weil sie nicht so kultiviert (insbesondere geschnitten und in Pflückhöhe gehalten) werden wie die Teesträucher sonst üblicherweise; und sie werden deshalb dementsprechend auch höher, durchaus zwei Meter und mehr." 

Die beiden Fotos, die mir Herr Thamm hat zukommen lassen, verdeutlichen die Beschreibung doch ziemlich gut, wie ich finde.


kultivierte Teesträucher an Hang

nicht in Pflückhöhe geschnittener Strauch

Vorweg lässt sich sagen, dass die beiden Tees wirklich vorzüglich waren. Beide wurden im Tonkännchen mit gleicher Temperatur und gleichen Ziehzeiten zubereitet. 

Das trockene große, braun bis schwarz geröstete Blatt des Lao Cong Shui Xian verströmt einen intensiven Geruch nach Sommerblumenwiese.
Beim Ye Cha dominieren Holzkohlenoten im Vergleich zu Blume und auch das Blatt sieht etwas kleiner aus.


links Lao Cong Shui Xian - rechts Ye Cha
Der erste Aufguss des Lao Cong Shui Xian besitzt eine intensiv orangene Farbe, wohingegen der Aufguss des Ye Cha um einiges dunkler, leicht bräunlich ist. Die nassen Blätter verströmen nun einen Geruch, der atemberaubend intensiv ist. Die "alte Narzisse" gibt einem das Gefühl direkt in einer mit blüheneden Blumen bestückten Wiese zu liegen und der "wilde Tee" verströmt einen - von mir geliebten, atmebraubenden Holzkohle Duft.

Im Geschmack ist der  Lao Cong Shui Xian sagenhaft ausgewogen. Man hat das Gefühl, jedes einzelne Aroma kommt haargenau gleich zur Geltung. Man findet hier ein komplexes Zusammenspiel von feinen Röstaromen, angenhemer Süße und diversen Früchten. Vorallem die Fruchtnoten spielen wunderbar zusammen und es fällt mir schwer, eine bestimmte Frucht herauszuschmecken.. vielleicht etwas Feige und Pfirsich? Im Abgang wird dieses tolle Zusammenspiel von einer leckeren "Brotigkeit" ergänzt. Im Nachkläng hinterlässt er zudem ein betäubendes und leicht kribbelndes Gefühl im Rachen, sehr toll! Nur die floralen Aromen, welche die Blätter verströmen, lassen auf sich warten.

rechts der Ye Cha mit deutlich dunklerem Aufguss
Der Ye Cha gibt sich doch ziemlich anders. Er ist bei Weitem nicht so ausgewogen, viel direkter und dominater, was mir aber sehr gut gefällt! Röstaromen herrschen hier vor und auch Brot kommt stärker zur Geltung. Ein bisschen erinnert mich der erste Aufguss an Shou Pu Erh.. etwas ledrig.. Waldboden.. jedoch viel dezenter und sehr angenehm! Die Fruchtnoten kommen hintergründig vor, jedoch schmecke ich auch hier eine angehnehme Süße.

Beim zweiten Aufguss zeigt sich der Lao Cong Shui Xian noch etwas abgerundeter und es sind mineralische Anklänge zu schmecken, einfach großartig. Ab Aufguss Nummer drei kommen nun auch die floralen Aromen, gepaart mit zunehmender Süße gut zur Geltung.

Der "Wilde" hält sich jedoch sehr konstant, ohne sich geschmacklich großartig zu verändern. Braucht er aber meiner Meinung auch nicht, denn diese Intensität und Holzkohlearomen machen ihn meiner Meinung nach grnadios!


links Lao Cong Shui Xian, rechts Ye Cha - die Blätter des Ye Cha sind dunkler
Die Blätter der beiden Tees weisen wie auch der Geschmack eindeutige Unterschiede auf. Die Blätter des Lao Cong Shui Xian sind so gut wie makellos verarbeitet und sehr groß!

Die des Ye Cha hingegen sind kaum komplett erhalten und auch um einiges kleiner. Nimmt man diese in die Hand, merkt man, dass sie sich extrem leicht zereisen lassen, wohingegen sich die Blätter der "alten Narzisse" um einiges dicker, ledriger und robuster anfühlen.

sehr gut erhaltenes Batt des Lao Cong Shui Xian links

großes Blatt des Lao Cong Shui Xian
Fazit: Für die Parallelverkostung habe ich beide Tees nur 6 mal aufgegossen, da beide direkt nacheinander getrunken wurden. Natürlich sind auch mehr wohl schmeckende Aufgüsse - ca. 10 - möglich. Im Moment freue ich mich nun wirklich auf die neue Ernte und bin gespannt, was diese hervorbringen wird. Die beiden Tees waren eine schöne Erfahrung und haben mir gezeigt, dass sich trotz gleicher Herkunft und Namengebung und auch ähnlicher Verarbeitung durch Rösten und starker Fermentation, doch große Unterschiede im Geschmack finden lassen. 


Mir persönlich hat der Lao Cong Shui Xian, trotz schwächerer Röstaromen ein Stück besser gefallen, da ich eine solche Ausgewogenheit und ein solch harmonisches Zusammenspiel der Aromen bei noch keinem Tee gefunden habe.
Vielen Dank, Herr Thamm für diese beiden wunderbaren Tees!